Gedanke zum Tag: Dunning-Kruger-Effekt

Vielleicht haben Sie auch schon von diesem Effekt gehört.
David Dunning und Justin Kruger haben ihn 1999 entdeckt:

Inkompetente Menschen neigen systematisch dazu, das eigene Wissen und Können zu überschätzen.

Das Problem dabei ist: Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er aus genau diesem Grund nur schwer erkennen, dass er inkompetent ist.
Oder platt ausgedrückt: Dumme Leute erkennen ihre eigene Dummheit nicht, eben weil sie dumm sind...

Interessant ist dabei die Beobachtung, dass das vor allem ein Problem unserer modernen, westlichen und durch und durch individualistischen Kultur zu sein scheint. Man hat die Untersuchungen von Dunning und Kruger zum Beispiel auch in Japan gemacht, einer Kultur, in der der Einzelne viel weniger wichtig ist als die Gemeinschaft. Dort waren dann erstaunlicherweise die Ergebnisse genau umgekehrt: Japaner neigen eher dazu, ihre Fähigkeiten zu unterschätzen.

Wie vermeiden wir, Opfer des Dunning-Kruger-Effekts zu werden? Indem wir entweder Japaner werden (das war ein Witz...) oder eine Haltung der Selbsthinterfragung und des Nicht-Wissens einnehmen:

Woher weiß ich das?
Was macht mich so sicher, dass meine Meinung die richtige ist?
Stimmen die Fakten überhaupt?
Könnte ich mich auch irren?
Was sagen denn Leute dazu, die sich damit viel besser auskennen als ich?

Selbstkritik statt Selbstsicherheit.

In der Theologie wird diese Haltung Demut genannt:

Die eigene Begrenztheit anzunehmen und zu bejahen:
Mein Wissen ist begrenzt.
Meine Fähigkeiten sind begrenzt.
Meine Kraft und meine Zeit sind begrenzt.
Mein ganzes Leben ist begrenzt.

Aber trotzdem bin ich von Gott grenzenlos geliebt.