Gedanke zum Tag: Strafe

"Herr Pfarrer, was hab ich Schlimmes gemacht, dass mich der liebe Gott so bestraft?"

Diese Frage habe ich schon sehr oft gehört. Dahinter steckt die Vorstellung: Gott belohnt die "Guten" und bestraft die "Bösen". In der Welt soll es also so zugehen wie in einem gut organisierten Kindergarten und Gott ist der große Aufpasser. Manche denken auch: Ja, so ist es - aber Gott macht einfach einen schlechten Job. So vielen echt fiesen Typen geht es wunderbar und mir geht es schlecht, obwohl ich doch gar nicht schlecht bin.

Aber diesen Zusammenhang gibt es so nicht (wenn es ihn gäbe, dürfte es zum Beispiel mir nie so gut gehen, wie es mir geht...). Das ganze Buch Hiob im Alten Testament dreht sich um diese Frage und sagt: Nein - diesen Zusammenhang gibt es so nicht.

Und auch Jesus selber sagt ganz klar, dass es diesen Zusammenhang nicht gibt. Als ihm und seinen Jüngern einmal ein Mensch begegnet, der von Geburt an Blind ist, da fragen seine Jünger: Wer hat gesündigt: Seine Eltern oder hat er schon vor seiner Geburt gesündigt? Auch sie waren ganz gefangen in diesem Sünde - Strafe - Denken. Aber Jesus sagt: Weder noch. Diesen Zusammenhang gibt es nicht. Niemand, kein Mensch wird von Gott mit Krankheit oder einem Unglück bestraft, weil er irgendetwas falsch gemacht hat.

Seit Karfreitag, seit Jesus gekreuzigt worden ist, ist die Schuldfrage übrigens eindeutig und ein für allemal geklärt: Jesus übernimmt die Verantwortung für die Schuld der ganzen Welt und nimmt die Folgen davon ganz auf sich.

Die Strafe liegt auf ihm, damit wir Frieden haben, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

So hat es der Prophet Jesaja schon lange vorher geschaut. Diese unfassbare Wirklichkeit.

Von ihr leben wir alle.

Gott sei Dank. 

Und was meinen Sie?