Gedanke zum Tag: Still

Es ist so still geworden.
Kaum ein Auto fährt, die Straßen sind leer.
Kein Lärm, nichts.

In den letzten Tagen haben mir auffallend viele Menschen gesagt, wie sehr sie das genießen. Endlich mal kein Lärm mehr, keine Hetze, kein schnell - schnell. Natürlich gibt es auch Menschen, die jetzt mehr zu tun haben als je und es gibt auch Menschen, die jetzt viel mehr Sorgen haben als sonst.
Aber es gibt eben auch viele, die dem Stillstand auch etwas positives abgewinnen können.
"Ich war so am Ende mit meiner Kraft, und jetzt kann ich richtig auftanken und zur Ruhe kommen" sagte mir gestern jemand.

In der Bibel wird die Stille immer sehr gepriesen. Denn in der Stille finden wir Menschen zu uns selber - und wir hören viel leichter die leise Stimme Gottes als sonst in unserem lauten, hektischen und vollem Alltag.

Einmal kamen Menschen zu einem Eremiten, einem Einsiedlermönch und verbringen einige Zeit bei ihm, um von ihm zu lernen. Der Eremit ist im Gebet versunken, bisweilen geht er zum Brunnen und holt sich frisches Wasser. Sonst ist nur Stille und Schweigen. Abends fragen die Touristen den Einsiedler, wie er die Stille und Einsamkeit ertragen und nutzen kann. Er geht mit den Leuten zum Brunnen, schöpft Wasser, trinkt und bittet die Besucher, in den Brunnen zu schauen. „Was seht ihr?” Sie sehen nichts als einige kleine Wellen. Nach einer ganzen Zeit der Stille und des Schweigens bittet er die Leute, wieder in das Wasser zu schauen. „Was seht ihr jetzt?” - „Wir sehen ganz deutlich unser Gesicht in der still gewordenen Oberfläche des Brunnens.” „Seht ihr, das ist der Nutzen des Schweigens. Alles in uns kommt zur Ruhe und man erkennt sich selber, die Welt, die Geheimnisse des Lebens!”